Trimedia Bamberg 0951 5194224
Pharma 14. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit · Stephan Wirth

Temperaturalarm im Medikamentenkühlschrank – dürfen die Arzneimittel noch verwendet werden?

Ein mögliches Szenario beginnt am Montagmorgen. Der Medikamentenkühlschrank zeigt einen Temperaturalarm, inzwischen liegt die Temperatur wieder im vorgesehenen Bereich. Was bedeutet das für die eingelagerten Arzneimittel?

Kurzantwort: Nach einem Temperaturalarm dürfen betroffene Arzneimittel nicht allein deshalb wieder verwendet werden, weil der Kühlschrank inzwischen wieder die eingestellte Temperatur erreicht hat. Entscheidend sind der tatsächliche Temperaturverlauf, die betroffenen Präparate und ihre jeweiligen Lagerbedingungen. Bis zur fachlichen Klärung würde ich möglicherweise betroffene Packungen kennzeichnen, abgegrenzt unter den vorgesehenen Lagerbedingungen weiter lagern und nicht abgeben oder anwenden lassen.

Zuerst den Temperaturverlauf sichern

Ich würde zunächst klären, wann die Abweichung begonnen hat, welche höchste oder niedrigste Temperatur erreicht wurde und wie lange sie anhielt. Dazu gehören die Aufzeichnung des Kühlgeräts, der Alarmverlauf und gegebenenfalls die Daten eines unabhängigen Messgeräts. Auch eine offen stehende Tür, eine Stromunterbrechung oder ein technischer Defekt können für die Beurteilung wichtig sein.

Anschließend braucht es eine Übersicht der möglicherweise betroffenen Arzneimittel mit genauer Bezeichnung, Darreichungsform, Charge und gegebenenfalls Anbruchstatus. Während der Klärung bleiben sie gekennzeichnet und abgegrenzt unter den jeweils vorgesehenen Lagerbedingungen. Eine Bestandsaufnahme darf die Temperaturbelastung nicht noch vergrößern.

Was zuerst zu prüfen ist Warum das für die Entscheidung wichtig ist
Beginn, Dauer und Ausmaß der Abweichung Die aktuelle Displaytemperatur sagt nichts über den Verlauf während der Störung.
Betroffene Präparate und Präsentationen Lagerbedingungen können sich zwischen Arzneimitteln und Darreichungsformen unterscheiden.
Anbruch, Zubereitung und Charge Die zutreffende Fachinformation muss zur konkreten Packung und Nutzung passen.
Kennzeichnung und abgegrenzte Lagerung Eine versehentliche Abgabe oder Anwendung während der Klärung soll verhindert werden.
Zuständigkeit und Dokumentation Die Entscheidung muss fachlich getroffen und später nachvollzogen werden können.

Warum nicht jede Packung gleich beurteilt werden kann

Maßgeblich sind die aktuellen Fachinformationen und gegebenenfalls zusätzliche belastbare Stabilitätsangaben des jeweiligen Herstellers. Bei Lantus unterscheiden sich die Angaben je nach Präsentation und Anwendungssituation. Auch bei Enbrel müssen die konkreten Lagerangaben vor und gegebenenfalls nach der Zubereitung anhand der jeweiligen Produktinformation geprüft werden. Reguläre Hinweise zur Aufbewahrung sind allerdings keine pauschale Erlaubnis für eine ungeplante Temperaturabweichung.

Von einer allgemeinen Regel wie „Nach zwei Stunden muss alles weg" würde ich deshalb ebenso abraten wie von einer automatischen Freigabe, sobald das Display wieder den Sollwert zeigt. Die im Betrieb benannte verantwortliche Person muss den tatsächlichen Verlauf mit den Angaben zum jeweiligen Präparat abgleichen und bei Bedarf die versorgende Apotheke oder den Hersteller einbeziehen. Erst auf dieser fachlichen Grundlage lässt sich über weitere Verwendung oder Aussonderung entscheiden.

Für öffentliche Apotheken beschreibt die Bundesapothekerkammer, dass beanstandete Arzneimittel bis zur Klärung gekennzeichnet und gesondert zu lagern sind. Das betrifft auch den Verdacht auf Qualitätsmängel. Ein Temperaturalarm ist nicht automatisch ein festgestellter Qualitätsmangel; die vorsorgliche Sperrung ist hier meine Empfehlung für einen kontrollierten Ablauf und keine behauptete Pflicht für jede Arztpraxis.

Welche Kühltechnik bei der Klärung hilft

Ein Display mit der aktuellen Temperatur zeigt nicht, was während der Nacht geschehen ist. Für die fachliche Bewertung braucht es möglichst einen nachvollziehbaren Verlauf. Deshalb sind Datenaufzeichnung und eine zuverlässig organisierte Alarmierung bei der Auswahl eines Medikamentenkühlschranks wichtige Fragen.

Beim Liebherr HMFvh 4001 Perfection nennt das offizielle Datenblatt einen integrierten Datenlogger mit USB-Schnittstelle, eine WLAN-/LAN-Schnittstelle, einen Netzausfallalarm und einen potentialfreien Kontakt. Laut Liebherr ist über die Netzwerkschnittstelle eine Anbindung an SmartMonitoring oder ein bestehendes System möglich. SmartMonitoring ist dabei nicht mit einer ohne weitere Einrichtung verfügbaren Fernalarmierung gleichzusetzen. Ob zusätzliche Komponenten, ein Lizenzschlüssel oder eine bestimmte Konfiguration erforderlich sind, muss für den vorgesehenen Alarmweg vor der Entscheidung geklärt werden.

Ein potentialfreier Kontakt kann für die Einbindung in eine vorhandene Alarmkette interessant sein. Ob und wie er außerhalb der Öffnungszeiten tatsächlich eine verantwortliche Person erreicht, hängt von der vorhandenen Anlage, ihrer Einrichtung und den Zuständigkeiten ab. Die Technik hilft, eine Abweichung zu erkennen und zu dokumentieren; ob ein Arzneimittel noch verwendbar ist, entscheidet sie nicht.

Wann ein neues Gerät sinnvoll ist – und wann nicht

Vor einer Geräteempfehlung möchte ich wissen, was gelagert wird, wie groß der Bestand ist, wie häufig die Tür geöffnet wird und wo der Kühlschrank steht. Ebenso wichtig sind die bestehende Temperaturaufzeichnung, der Alarmweg außerhalb der Öffnungszeiten und die Möglichkeit einer geeigneten Ausweichlagerung.

Ausgangslage im Betrieb Was ich zuerst prüfen würde Mögliche Entscheidung
Geeignetes Gerät, Temperaturverlauf dokumentiert Funktionieren Alarmkette und Zuständigkeiten zuverlässig? Abläufe verbessern, vorhandenes Gerät weiter nutzen.
Geeignetes Gerät, Alarmierung unzureichend Lassen sich Überwachung oder externe Meldung fachgerecht ergänzen? Vorhandene Technik ergänzen statt sofort austauschen.
Temperaturverlauf nicht nachvollziehbar Ist eine verlässliche Nachrüstung möglich? Nachrüstung gegen Austausch abwägen.
Gerät oder Stellplatz passt nicht zur Lagerung Welche Anforderungen ergeben sich aus Lagergut, Nutzung und Herstellerangaben? Andere Geräteklasse oder anderer Standort kann sinnvoller sein.

Wenn ein vorhandenes Gerät für die Lagerung geeignet ist und sich die Temperatur verlässlich dokumentieren lässt, kann es ausreichen, die Überwachung oder den internen Ablauf zu verbessern. Ein neues Gerät wäre dann nicht automatisch die wirtschaftlich bessere Entscheidung.

Fehlen dagegen eine brauchbare Temperaturhistorie oder geeignete Alarmfunktionen, würde ich zunächst prüfen, ob sich das bestehende System sinnvoll ergänzen lässt. Erst wenn das nicht überzeugt, kommt ein Austausch infrage. Der HMFvh 4001 ist dabei ein konkretes Modell, dessen Nutzvolumen, Stellplatzbedarf und Anbindung zum tatsächlichen Betrieb passen müssen.

Was nach dem Alarm dokumentiert werden sollte

Für die spätere Nachvollziehbarkeit würde ich den Zeitpunkt der Feststellung, den Temperaturverlauf, die betroffenen Packungen und die herangezogenen Fachinformationen festhalten. Ebenso gehören die verantwortliche Person, die getroffene Entscheidung und der Zeitpunkt einer eventuellen Freigabe oder Aussonderung dazu. So können auch Kolleginnen und Kollegen den Vorgang nachvollziehen.

Wenn Sie Ihre Kühlung überprüfen möchten

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr vorhandener Medikamentenkühlschrank Temperaturabweichungen ausreichend dokumentiert oder ob die Alarmierung in Ihrem Betrieb funktioniert, schaue ich mir mit Ihnen zunächst die vorhandene Technik und die tatsächliche Nutzung an. Danach lässt sich entscheiden, ob eine Ergänzung genügt oder ein anderes Gerät sinnvoll ist.

Erreichen Sie mich über Kontakt oder direkt: 0951 5194224.

Hinweis zur Arzneimittelsicherheit

Dieser Ratgeber beschreibt organisatorische und technische Aspekte beim Umgang mit Temperaturabweichungen. Er erteilt keine Freigabe für einzelne Arzneimittel und ersetzt weder die aktuelle Fachinformation noch die fachliche Entscheidung durch die zuständigen Personen. Aussagen zur Apothekenbetriebsordnung gelten nicht automatisch für Arztpraxen.

Quellen und fachliche Grundlagen