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Labor 15. September 2026 · 6 Min. Lesezeit · Stephan Wirth

Warum sensible Kühltechnik mehr ist als Temperatur

Was bei Labor, Pharma und Reinraum zusätzlich geprüft werden muss

Ein Ultratiefkühlschrank (Ultra-Low Temperature, ULT) erreicht –80 °C, das Lagervolumen passt und bei einer Temperaturabweichung löst er Alarm aus. Für die reine Lageraufgabe sind damit bereits wichtige Punkte geklärt.

In einem Labor oder pharmazeutischen Betrieb kann die Auswahl trotzdem zu kurz greifen. Der Ultratiefkühlschrank steht nicht isoliert im Raum. Er gibt Wärme ab, braucht Platz für Bedienung und Wartung und muss zu vorhandenen Mess-, Alarm- und Betriebsabläufen passen. Soll er in einem Reinraum stehen, kommen weitere Fragen hinzu.

Genau deshalb schaue ich bei sensibler Kühltechnik nicht nur auf Temperatur und Literzahl.

Kurzantwort: Bei Labor-, Pharma- und Reinraumanwendungen gehört der geplante Aufstellort zur Geräteauswahl. Neben Temperaturbereich und Volumen können Wärmeabgabe, Wartungszugang, externe Messtechnik sowie Alarm- und Monitoringschnittstellen die Entscheidung verändern – teilweise stärker als die Kältetechnik selbst. Der Liebherr SUFsg 3501 MediLine bringt dafür mehrere technisch sinnvolle Voraussetzungen mit. Ob Gerät und Standort zusammenpassen, muss trotzdem für den konkreten Prozess geprüft werden.

Vor dem Modell kommt der Einsatz

Bei einem ULT-Freezer liegen zwei Fragen nahe: Welche Temperatur wird benötigt und wie viel soll hineinpassen? Für einen kontrollierten Bereich würde ich noch vorher klären, was mit dem Gerät im täglichen Betrieb passiert.

Ein Freezer für ein Langzeitarchiv mit wenigen Zugriffen wird anders genutzt als ein Gerät, aus dem während eines Laborprozesses regelmäßig Proben entnommen werden. Daraus kann sich auch die Frage ergeben, ob das Gerät tatsächlich innerhalb des Reinraums stehen muss oder ob ein angrenzender Bereich für den Ablauf sinnvoller wäre.

Diese Entscheidung lässt sich nicht allgemein treffen. Materialfluss, Zugriffshäufigkeit, Raumkonzept und die Anforderungen an die gelagerten Proben gehören zusammen betrachtet.

Vor der Auswahl klären Warum das die Geräteentscheidung beeinflusst
Was wird gelagert und welcher Temperaturbereich ist notwendig? Bestimmt die geeignete Geräteklasse
Welches nutzbare Volumen wird benötigt? Beeinflusst Modellgröße und Innenraumaufteilung
Wie häufig wird auf den Bestand zugegriffen? Verändert Anforderungen an Bedienung und Standort
Wo soll der Freezer stehen? Bestimmt Platzbedarf, Umgebung und Wartungszugang
Handelt es sich um einen klassifizierten Reinraum? Kann zusätzliche Bewertungen von Gerät und Aufstellung erforderlich machen
Welche Überwachung existiert bereits? Beeinflusst die benötigten Schnittstellen und Sensoren
Gibt es Notstrom oder ein Ausfallkonzept? Bestimmt einen Teil der organisatorischen Absicherung

Damit verschiebt sich die Frage vom reinen Temperaturwert hin zum tatsächlichen Einsatz. Gesucht wird ein Gerät, das nicht nur kalt genug wird, sondern in den vorgesehenen Betrieb passt.

„Reinraumgeeignet" ist keine vollständige Antwort

Der Begriff klingt zunächst eindeutig. Bei näherer Betrachtung umfasst er aber unterschiedliche technische Fragestellungen.

Die seit August 2026 aktualisierten Teile 14 und 15 der DIN-EN-ISO-14644-Reihe machen diese Trennung sichtbar. Die DIN EN ISO 14644-14:2026-08 behandelt die Bewertung der Reinraumtauglichkeit von Geräten anhand der Partikelkonzentration in der Luft. Die DIN EN ISO 14644-15:2026-08 betrachtet Ausrüstungsgegenstände und Materialien anhand chemischer Luft- und Oberflächenkonzentrationen. Beide Normen legen fest, was bei einer solchen Bewertung geprüft wird – sie beantworten nicht, ob Wartungszugang, Stellplatz und Luftführung im konkreten Raum stimmen.

Bei einem konkreten Gerät würde ich deshalb genauer fragen, welche Eigenschaft tatsächlich bewertet wurde, statt mich auf den Sammelbegriff „reinraumgeeignet" zu verlassen.

Bei der Herstellung steriler Arzneimittel kann zusätzlich der europäische Leitfaden zur Good Manufacturing Practice (GMP), konkret Annex 1, relevant sein. Er betrifft die Herstellung steriler Arzneimittel und lässt sich deshalb nicht pauschal auf jedes Labor mit Reinraum übertragen.

Ein ULT-Freezer kühlt innen und gibt Wärme an den Raum ab

Für die Aufstellplanung ist die Wärmeabgabe ein gutes Beispiel dafür, warum ein Datenblatt mehr enthält als reine Produktdetails.

Beim Liebherr SUFsg 3501 MediLine lässt sich die Temperatur zwischen –40 und –86 °C einstellen. Das Nettovolumen beträgt 382 Liter. Gleichzeitig liegt die Wärmeabgabe bei 1.116 kJ/h, der zulässige Umgebungstemperaturbereich bei +16 bis +32 °C.

Die –80 °C interessieren vor allem für das Lagergut. Die Wärmeabgabe von 1.116 kJ/h ist dagegen für den Raum relevant. Steht der Freezer in einem kleineren Labor oder in einem klimatisch eng geregelten Bereich, sollte deshalb geklärt werden, ob die vorhandene Raumtechnik diese zusätzliche Last aufnehmen kann. Auch der tatsächliche Stellplatz und die für Betrieb und Wartung nötige Zugänglichkeit gehören dazu.

Das ist keine Besonderheit dieses Geräts. Es ist eine normale Folge professioneller Ultratiefkühlung, die bei der Planung nicht übersehen werden sollte.

Im Reinraum zählt mehr als die Stellfläche

Mit 196,6 cm Höhe, 79,7 cm Breite und 108,2 cm Tiefe ist der SUFsg 3501 ein großes Standgerät. Ein solches Gerät wird Teil der Raumgeometrie und muss so stehen, dass Bedienung, Reinigung und Service möglich bleiben.

In einem Reinraum kann außerdem relevant sein, wie der vorgesehene Stellplatz zur vorhandenen Luftführung und zu den Arbeitsbereichen liegt. Daraus folgt nicht, dass ein ULT-Freezer automatisch die Reinraumströmung stört. Zu prüfen ist vielmehr, ob seine konkrete Position im jeweiligen Raum einen relevanten Einfluss haben kann.

Ist der Standort unkritisch, ist dieser Punkt erledigt. Ergibt sich ein Konflikt mit Raumkonzept oder Wartungszugang, lässt er sich vor der Bestellung leichter lösen als danach.

Warum ich mir den Liebherr SUFsg bei solchen Projekten genau ansehe

Wenn Lageranforderung und Aufstellort geklärt sind, wird die Produktauswahl konkreter. Beim SUFsg finde ich für sensible Labor- und Pharmaanwendungen vor allem die Funktionen interessant, die sich später sinnvoll in bestehende Abläufe einbinden lassen.

Das Gerät verfügt über optische und akustische Störungsalarme, einen unmittelbaren Netzausfallalarm für bis zu 72 Stunden, einen potenzialfreien Kontakt, LAN sowie einen integrierten Datenlogger mit USB-Schnittstelle. Außerdem besitzt der SUFsg 3501 drei Fühlerdurchführungen mit jeweils 28 Millimetern Durchmesser.

Keine dieser Funktionen ersetzt ein Alarm-, Mess- oder Qualifizierungskonzept. Sie schaffen aber technische Voraussetzungen, um solche Konzepte vernünftig umzusetzen.

Drei Fühlerdurchführungen klingen unspektakulär – bis man sie braucht

Auf einem Produktdatenblatt gehen drei Durchführungen schnell zwischen größeren technischen Werten unter. Bei einer unabhängigen Temperaturüberwachung kann genau dieses Detail später sehr praktisch sein.

Externe Sensorleitungen lassen sich geplant in den Innenraum führen. Man muss nicht erst nach einem improvisierten Weg an einer Türdichtung vorbei suchen. Wo der Sensor tatsächlich positioniert wird und wie die Messung oder Qualifizierung aufgebaut ist, entscheidet dadurch noch nicht das Gerät.

Der SUFsg löst an dieser Stelle die mechanische Voraussetzung. Das Messkonzept bleibt Aufgabe des Betreibers und der dafür verantwortlichen Fachstelle. Dasselbe Prinzip gilt für LAN, Datenlogger und den potenzialfreien Kontakt: Eine vorhandene Schnittstelle garantiert noch keine funktionierende Gebäudeleittechnik, schafft aber die Möglichkeit, eine passende Einbindung zu prüfen.

Was Liebherr liefert – und was im Betrieb geklärt werden muss

Für die Geräteentscheidung ist diese Grenze wichtiger als eine möglichst lange Feature-Liste.

Liebherr SUFsg 3501 Beitrag des Geräts Was außerhalb des Geräts geklärt wird
–40 bis –86 °C Temperaturbereich technische Grundlage für Ultratiefkühlung erforderlicher Sollbereich des Lagerguts
382 l Nettovolumen definierter Lagerraum tatsächlich benötigte Kapazität und Organisation
Störungs- und Netzausfallalarm erkennt und meldet definierte Gerätezustände Meldeweg, Zuständigkeit und Reaktion
Potenzialfreier Kontakt und LAN technische Schnittstellen Kompatibilität und Einbindung in vorhandene Systeme
Integrierter Datenlogger zeichnet Gerätedaten auf Anforderungen an Dokumentation und Auswertung
Drei Fühlerdurchführungen erleichtert den Einsatz externer Sensorik Sensorposition und Messkonzept
Edelstahl-Innenbehälter und Edelstahl-Ablagen unterstützt gut reinigbare Innenflächen Reinigungsablauf und Bewertung der äußeren Geräteumgebung
1.116 kJ/h Wärmeabgabe liefert einen konkreten Planungswert verfügbare Raumkühlung und geeigneter Standort

Die Tabelle zeigt auch, warum ich Liebherr bei solchen Anwendungen nicht allein über den Temperaturbereich argumentieren würde. Interessant wird das Gerät durch das Zusammenspiel mehrerer Funktionen, die sich in Überwachung, Messung und technische Einbindung übersetzen lassen.

Gute Reinigbarkeit ist nicht dasselbe wie Reinraumeignung

Der SUFsg besitzt einen Innenbehälter und Ablageflächen aus Edelstahl. Für Labor- und Pharmaanwendungen ist das sinnvoll, weil diese Bereiche gut zu reinigen sind.

Daraus folgt keine pauschale Aussage über die Eignung des gesamten Geräts für jeden Reinraum. Außengehäuse, Stellplatz, Abstände, Reinigungsprozess und Wartungszugang sind davon nicht automatisch mitbewertet. Wer für seinen Prozess eine Reinraumbewertung benötigt, prüft das am konkreten Standort, nicht am Datenblatt.

Warum Liebherr hier für mich eine gute Ausgangsbasis ist

Viele ULT-Freezer können –80 °C erreichen. Bei professioneller Ultratiefkühlung in Labor- und Pharmaanwendungen interessiert mich zusätzlich, was rund um diese Temperatur passiert.

Der SUFsg verbindet den passenden Ultratiefkühlbereich mit Überwachungsfunktionen, Datenaufzeichnung, Schnittstellen und vorbereiteten Möglichkeiten für externe Sensorik. Gleichzeitig liegen konkrete technische Werte für Abmessungen und Wärmeabgabe vor, mit denen sich der Standort vernünftig planen lässt.

Das sind für mich gute Gründe, Liebherr bei solchen Projekten einzuplanen. Ob der SUFsg 3501 tatsächlich das richtige Modell ist, hängt von Lagervolumen, Betriebsablauf, vorhandenen Systemen und Aufstellort ab. Eine gute Geräteberatung muss auch zu dem Ergebnis kommen können, dass eine andere Größe oder ein anderer Standort sinnvoller ist.

Für eine erste Einschätzung reichen wenige Angaben

Für ein erstes Gespräch brauche ich noch kein fertiges Lastenheft. Wichtig sind zunächst der erforderliche Temperaturbereich, das ungefähr benötigte Lagervolumen und der geplante Standort.

Bei einem Labor oder Reinraum hilft zusätzlich ein vorhandener Grundriss. Bestehen bereits Monitoring, Gebäudeleittechnik, Notstrom oder ein festgelegtes Ausfallkonzept, sollten diese Informationen ebenfalls einfließen. Damit lässt sich schon gut eingrenzen, welches Liebherr-Gerät technisch zur Anwendung passt und welche Punkte vor einer Bestellung noch mit Qualitätsmanagement, Reinraumplanung oder einer anderen zuständigen Fachstelle geklärt werden müssen.

Erreichen Sie mich über Kontakt oder direkt: 0951 5194224.

Dieser Artikel gibt allgemeine Fachinformationen zu sensibler Kühltechnik in Labor-, Pharma- und Reinraumanwendungen wieder und ersetzt keine individuelle Beratung. Verbindliche regulatorische Anforderungen klären Sie mit der für Ihren Betrieb zuständigen Überwachungsbehörde und Ihrem Qualitätsmanagement.

Quellen und fachliche Grundlagen